Heute Morgen (7. Oktober 2026) wurde SAFARI vor 325 Prüfern der niederländischen Steuer- und Zollverwaltung vorgestellt. SAFARI ist eine offene Methodik, mit der Organisationen ihre digitale Souveränität systematisch bewerten und belegen können.

Vorstellung von SAFARI vor Prüfern der niederländischen Steuer- und Zollverwaltung

Digitale Souveränität beschreibt, wie viel Kontrolle eine Organisation tatsächlich über ihre digitalen Dienste, Daten und Lieferanten besitzt. Kann sie selbstständig entscheiden? Kann sie weiterarbeiten, wenn ein Lieferant, eine Technologie oder ein Teil der Lieferkette ausfällt? Und kann sie nachweisen, welchem Recht ihre Daten und Systeme unterliegen?

Ohne einheitliche Messmethode bleiben Antworten schnell allgemein oder stützen sich nur auf Aussagen von Anbietern. SAFARI zeigt, wo eine Organisation steht, welche Nachweise vorliegen und wo noch Handlungsbedarf besteht.

Von der Ambition zum nachweisbaren Ergebnis

SAFARI steht für Sovereignty Assurance Framework for Autonomy, Resilience & Independence. Die Methodik verbindet die acht Ziele des European Cloud Sovereignty Framework der Europäischen Kommission mit den Maßnahmen aus ISO 27001:2022.

SAFARI betrachtet die Lage aus Sicht des Kunden. Eigenschaften und Versprechen eines Anbieters zählen, entscheidend ist jedoch die Kontrolle in der Praxis.

Bewertet werden strategische Kontrolle, Recht und Gerichtsbarkeit, Daten und KI, betriebliche Kontinuität, Lieferkette, Technologie, Sicherheit und Compliance sowie Nachhaltigkeit.

Für jedes Thema wird ein Reifegrad von 0 bis 4 festgestellt. Die Qualität der Nachweise erhält eine eigene Stufe. Eine Anbietererklärung ist nicht dasselbe wie eine Vertragsklausel, ein technischer Nachweis oder eine unabhängige Prüfung.

Feste Fragen, eindeutige Bewertungsregeln und Nachweisanforderungen machen Ergebnisse nachvollziehbar und wiederholbar.

Welchen Nutzen hat ein Prüfer?

SAFARI bietet Prüfern einen strukturierten Rahmen für ein fachübergreifendes Thema. Feste Fragen und Regeln unterstützen konsistente Prüfungen und führen Feststellungen auf konkrete Quellen zurück.

Die Methodik trennt Reifegrad und Beweiskraft. Weitreichende Maßnahmen ohne ausreichende Nachweise führen nicht automatisch zu einem starken Urteil. Bei Assurance-Aufträgen orientiert sich SAFARI an ISAE 3000. Je nach Nachweislage sind kein Urteil, begrenzte Sicherheit oder hinreichende Sicherheit möglich.

Welchen Nutzen hat eine Organisation?

SAFARI macht digitale Souveränität steuerbar. Die Bewertung zeigt je Thema Zielniveau, nachweislich erreichtes Niveau, Abhängigkeiten und Risiken, fehlende Nachweise und vorrangige Verbesserungen.

Das Gesamtniveau ist kein Durchschnitt. Das am niedrigsten bewertete Kernziel ist maßgeblich. Ein gutes Ergebnis in einem Bereich kann daher keinen wesentlichen Mangel in einem anderen verdecken.

Welchen Nutzen hat der Einkauf?

SAFARI übersetzt digitale Souveränität in konkrete, prüfbare Fragen. Begriffe wie „europäische Cloud“, „Daten in Europa“ oder „souveräne Lösung“ sagen allein noch nichts über die tatsächliche Kontrolle aus.

Der Einkauf kann untersuchen, wer einen Anbieter letztlich kontrolliert, welche Rechtsordnungen gelten, wo Daten und Metadaten verarbeitet werden, welche Unterauftragnehmer und technischen Abhängigkeiten bestehen, wie ein Ausstieg geregelt ist und welche Nachweise vorliegen.

Das hilft bei Ausschreibungen, Angebotsbewertungen und bestehenden Verträgen. Jede Organisation bestimmt das benötigte Niveau anhand ihrer Risiken und Verantwortlichkeiten.

Offen und wiederverwendbar

SAFARI ist unter der Lizenz Creative Commons Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 offen verfügbar. Die Methodik darf unter den Lizenzbedingungen auch kommerziell genutzt, geteilt und angepasst werden.

Die aktuelle Version 0.9 ist ein Entwurf, der für Prüfung, Korrekturen und Verbesserungen offensteht.

Die vollständige Methodik steht im öffentlichen SAFARI-Repository.

SAFARI wurde durch De Winter Information Solutions und Vigilis Consultancy ermöglicht.